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TCP/IP – wie Daten wirklich reisen 📦

Jeder Klick im Web schickt tausende kleine Pakete los, die sich unabhängig ihren Weg suchen. In diesem Deep-Dive lernst du: das OSI-Schichtenmodell, was in einem Paket-Header steht, wie der TCP-Handshake funktioniert, und warum dein Game UDP statt TCP benutzt.

🏗 OSI-Layer 🤝 3-Way Handshake 🆚 TCP vs UDP 🔌 Ports
SRC DST 1 2 3 Pakete reisen unabhängig über mehrere Router-Hops

01Das Schichten-Modell – Lego für Netzwerke

Networking ist in Schichten aufgebaut. Jede Schicht hat einen Job, und sie wissen nichts voneinander.

Es gibt zwei Modelle, die im Wesentlichen das gleiche beschreiben: das OSI-Modell (7 Schichten, theoretisch) und das TCP/IP-Modell (4-5 Schichten, praktisch). Wir benutzen die praktische Version:

5 · Anwendung (Application)

HTTP, DNS, SMTP, FTP – die Sprache deiner App.

"GET /home"

4 · Transport

TCP (zuverlässig) oder UDP (schnell). Ports.

Port 443

3 · Netzwerk (Internet)

IP-Routing: wer wohnt wo? Welcher Pfad?

142.250.179.78

1 · Physisch (Physical)

Kabel, Funkwellen, Lichtimpulse.

🌊 Glasfaser
💡
Geniale Idee: Jede Schicht kapselt die darüberliegende. Wenn Schicht 2 (WiFi) durch Ethernet ersetzt wird, merken die oberen Schichten nichts. Genau deshalb funktioniert HTTP überall – egal ob über 5G, WLAN oder Glasfaser.

Analogie: ein Brief im Briefumschlag im Postauto

Du schreibst einen Brief (Schicht 5: HTTP-Anfrage). Du steckst ihn in einen Umschlag mit Adresse (Schicht 4: TCP-Header mit Port). Der Postler steckt den Umschlag in einen Sack mit „nach Zürich" drauf (Schicht 3: IP-Routing). Der Sack kommt in einen LKW (Schicht 2: Ethernet). Der LKW fährt auf der Autobahn (Schicht 1: Asphalt = Kabel). Beim Empfänger wird alles in umgekehrter Reihenfolge ausgepackt.

02Was steht in einem Paket?

Ein Paket = Header (Briefumschlag-Info) + Payload (eigentliche Daten).

Jedes Paket bekommt beim „Runtersinken" durch die Schichten weitere Header drangesetzt. So sieht ein typisches HTTPS-Paket aus:

Ethernet 14 B · MAC-Adr IP-Header 20 B · Src/Dst IP TCP-Header 20 B · Ports, Seq TLS Verschlüsselung HTTP / Daten der eigentliche Inhalt Headers (Overhead) Payload (Nutzlast)

Wichtige Felder im IP-Header

FeldWas es bedeutet
src ipWer schickt das Paket? (deine öffentliche IP)
dst ipAn wen geht's? (Server-IP)
ttlTime To Live – wie viele Router-Hops das Paket noch überlebt (gegen Endlos-Schleifen)
protocolWas kommt drüber? 6 = TCP, 17 = UDP
checksumQuersumme – stimmt sie nicht, ist das Paket korrupt

03Der TCP-Handshake – Hallo, ich bin's

Bevor TCP Daten schickt, müssen sich Client und Server einigen: „Bereit?".

Der berühmte 3-Way-Handshake – drei Pakete, die eine Verbindung aufbauen:

SYN (Synchronize) – Client fragt

Client: „Hallo Server, ich will eine Verbindung. Hier ist meine Startnummer: 1000."

SYN-ACK – Server antwortet

Server: „Hi! Hab dein 1000 erhalten. Hier meine Startnummer: 5000. Bestätige."

ACK (Acknowledge) – Client bestätigt

Client: „Gut. Verbindung steht. Jetzt schicke ich Daten."

📡
Warum 3 Schritte? Beide Seiten müssen wissen, dass die andere Seite weiss, dass die Verbindung steht. Sonst könnten Pakete in einem alten, abgebrochenen Versuch hängen bleiben. Mit 3 Schritten ist die Verbindung eindeutig „initialisiert".

Was TCP für dich macht

04TCP vs UDP – Brief vs. Postkarte

Zwei Transportprotokolle, sehr verschiedene Charaktere.

📬 TCP – die gewissenhafte Variante

  • Garantiert: alle Pakete kommen an
  • Garantiert: in richtiger Reihenfolge
  • Handshake, Retransmission, ACKs
  • Mehr Overhead, langsamer
  • Wofür: Webseiten (HTTP), Email, File-Downloads

💨 UDP – die schnelle Variante

  • Keine Garantien – „fire and forget"
  • Pakete können verloren gehen oder vertauscht ankommen
  • Kein Handshake, kein Overhead
  • Viel schneller, sehr leichtgewichtig
  • Wofür: Voice/Video-Calls, Online-Games, DNS, Streaming
🎮
Warum dein Game UDP nutzt: Wenn beim Shooten ein einzelnes Paket verloren geht, hilft's nichts, es 100ms später nochmal zu schicken – der Gegner ist längst weg. Lieber das Paket droppen und das nächste senden. Echtzeit schlägt Vollständigkeit.

05IPs, Ports & NAT – wer ist wer?

Wie das Internet hunderte Millionen Geräte adressiert.

IP-Adressen: die Haus-Nummer

IPv4 sieht so aus: 142.250.179.78 (4 Zahlen 0-255). Es gibt nur ~4 Milliarden davon – das Internet ist „ausverkauft". IPv6 sieht so aus: 2a00:1450:400a:806::200e – davon gibt's praktisch unendlich (340 Sextillionen).

Ports: die Wohnungstür

Eine IP führt zu einem Gerät. Aber ein Gerät kann viele Services laufen lassen (Webserver, Mail, SSH...). Ports (0-65535) sind die „Wohnungstüren":

PortServiceBeispiel
80HTTPhttp://...
443HTTPShttps://...
22SSHRemote-Login
53DNSNamensauflösung
25SMTPEmail-Versand
3000häufig Dev-ServerNode, React Dev

NAT – warum dein Laptop „versteckt" ist

Dein Router hat eine öffentliche IP. Alle Geräte zuhause teilen sie sich über NAT (Network Address Translation). Dein Laptop hat intern z.B. 192.168.1.27, der Router „übersetzt" das nach aussen auf seine öffentliche IP und merkt sich, welche Antwort an wen geht.

⚠️
Privat vs. Öffentlich: Adressen wie 192.168.x.x, 10.x.x.x, 172.16-31.x.x sind nur intern – sie funktionieren nicht im offenen Internet. Genau das macht dein Heimnetz „unsichtbar" für Aussenstehende.

🎯Key Takeaways